Ein Verkehrsunfall im Ausland erfordert besonnenes und strukturiertes Handeln, um Ihre Ansprüche zu sichern und die Grundlage für eine erfolgreiche Regulierung zu legen. Die folgenden Schritte helfen Ihnen, unmittelbar nach dem Unfall und in den folgenden Wochen die richtigen Weichen zu stellen.
Unmittelbar am Unfallort: Sichern Sie die Unfallstelle ab und leisten Sie gegebenenfalls Erste Hilfe. Verständigen Sie die Polizei – insbesondere bei Personenschäden oder unklarer Unfallursache ist eine polizeiliche Unfallaufnahme wichtig. Dokumentieren Sie den Unfallhergang durch Fotos der Fahrzeugpositionen, Schäden, Bremsspuren und Verkehrszeichen. Notieren Sie die Personalien des Unfallgegners, Zeugen und die Versicherungsdaten. Geben Sie am Unfallort keine Schuldanerkenntnis ab und unterschreiben Sie keine Dokumente, deren Inhalt Sie nicht vollständig verstehen.
Dokumentation und Beweissicherung: Fertigen Sie ein Unfallprotokoll an – idealerweise unter Verwendung des europäischen Unfallberichts, den Sie in Ihrem Fahrzeug mitführen sollten. Lassen Sie sich von der Polizei eine Kopie des Unfallprotokolls geben oder notieren Sie zumindest das Aktenzeichen. Wenn Sie verletzt sind, lassen Sie sich ärztlich untersuchen und dokumentieren – auch wenn die Verletzungen zunächst geringfügig erscheinen. Bewahren Sie alle Belege auf: Arztberichte, Krankenhausrechnungen, Reparaturkostenvoranschläge, Mietwagenquittungen.
Meldung an die Versicherung: Informieren Sie unverzüglich Ihre eigene Kfz-Haftpflichtversicherung über den Unfall – auch wenn Sie nicht der Unfallverursacher sind. Ihre Versicherung kann Sie bei der Schadensregulierung unterstützen und hat gegebenenfalls Regressansprüche. Wenn Sie eine Kaskoversicherung haben, melden Sie den Schaden auch dort. Ihre Rechtsschutzversicherung sollten Sie ebenfalls informieren, um Deckungsschutz für eine eventuelle rechtliche Auseinandersetzung zu sichern.
Kontakt mit der gegnerischen Versicherung: Die Haftpflichtversicherung des Unfallgegners wird sich bei Ihnen melden – entweder direkt oder über einen Regulierungsbevollmächtigten in Deutschland. Seien Sie vorsichtig mit vorschnellen Erklärungen. Schildern Sie den Unfallhergang sachlich, aber geben Sie keine Schuldanerkenntnis ab. Unterschreiben Sie keine Schweigepflichtentbindungen gegenüber Ärzten, bevor Sie nicht geprüft haben, welche Informationen die Versicherung anfordert. Nehmen Sie keine Abschlusszahlungen an, bevor nicht alle Schäden vollständig beziffert sind und Sie rechtlich beraten wurden.
Prüfung der Rechtslage: Lassen Sie frühzeitig prüfen, welches Recht auf Ihren Fall anzuwenden ist. Dies ist keine akademische Frage, sondern entscheidet über die Höhe Ihrer Entschädigung. Wenn nach den Kollisionsregeln deutsches Recht anwendbar ist, bestehen Sie darauf – auch wenn die ausländische Versicherung zunächst nach ausländischem Recht regulieren möchte. Eine fundierte rechtliche Einschätzung verschafft Ihnen Klarheit und Verhandlungssicherheit.
Schadensermittlung und Anspruchsberechnung: Lassen Sie alle Schäden sorgfältig ermitteln und beziffern. Bei Sachschäden am Fahrzeug benötigen Sie ein Sachverständigengutachten, das den Wiederbeschaffungswert, die Reparaturkosten und die Wertminderung feststellt. Bei Personenschäden dokumentieren Sie alle Behandlungen, Arbeitsausfälle und Beeinträchtigungen. Auch immaterielle Schäden wie Schmerzensgeld müssen angemessen bewertet werden – hier helfen Schmerzensgeldtabellen und die Einschätzung eines erfahrenen Anwalts.
Rechtliche Vertretung: Bei erheblichen Personen- oder Sachschäden sollten Sie sich anwaltlich vertreten lassen. Die Kosten der anwaltlichen Vertretung sind als Teil des Schadens vom Unfallverursacher bzw. dessen Versicherung zu erstatten. Ihre Rechtsschutzversicherung übernimmt die Kosten ohnehin. Ein erfahrener Verkehrsrechtsanwalt kennt die Kollisionsregeln, kann die Anwendung deutschen Rechts durchsetzen und Ihre Ansprüche optimal beziffern und durchsetzen.
Wenn Sie diese Handlungsempfehlungen beachten, legen Sie den Grundstein für eine erfolgreiche Schadensregulierung. Zögern Sie nicht, frühzeitig fachkundige Unterstützung in Anspruch zu nehmen – gerade bei Auslandsunfällen ist die rechtliche Komplexität hoch und die Gefahr groß, durch Unwissenheit auf berechtigte Ansprüche zu verzichten.